Posted by on Jan 18, 2016 in Allgemein | Keine Kommentare

Wie ihr ja wisst bin ich nicht nur Trainerin, sondern auch Osteopathin für Pferde.
Ich finde dies ist eine sehr gute Kombination. Meinen Schülern kann ich so sehr detailliert erklären, wie die Bewegungsabläufe eines Pferdes funktionieren. Häufig erkläre ich, warum sich das Pferd beispielsweise, in dieser oder jener Situation verwirft und sich nicht im Genick biegen lässt oder warum ein Pferd beim Abwenden auf eine gebogene Linie, auf die Schulter fällt. Ich erkläre, was in der Muskulatur oder in den Gelenken passiert, wenn ein Pferd zu eng geritten wird, am Zügel gezogen wird, man zu fest im Sattel sitzt und sich nicht im Becken bewegt oder extrem mit dem Becken schiebt (Es gäbe hier natürlich weitaus mehr Beispiele, aber ich möchte in diesem Bericht bei den Händen und dem Sitz bleiben)
Genau auf diese Punkte möchte ich heute ein wenig eingehen. Zum einen, was bewirken rückwirkende Zügel und was bedeutet ein starrer oder extrem schiebender Sitz für das Pferd.
Klar ist schon mal, wir als Reiter nehmen einen ziemlich großen Einfluss auf die Bewegung unseres Pferdes. Deshalb sollte es unser Ziel sein, dem Pferd die Bewegung zu erleichtern und ihnen nicht noch zusätzlich zur Last zu fallen.
Dafür brauchen wir als Reiter jedoch ein sehr gutes Körpergefühl. Besonders wichtig ist hierbei die Feinmotorik. Leider haben viele Menschen gar kein Bewusstsein für ihre Feinmotorik und bewegen sich hauptsächlich über ihre großen Muskeln, nämlich diejenigen, die das Skelett halten und bewegen.
Steigen wir nun auf unser Pferd, müssen wir uns in die Bewegung des Pferdes begeben und nicht umgekehrt. Später wenn wir mit der Bewegung unseres Pferdes zusammengeschmolzen sind, können und wir Einfluss auf die Bewegung des Pferdes nehmen ohne es in seinem Ablauf zu stören. Wir nehmen die Pferde mit in die Bewegung und ziehen sie nicht hinein. Sobald wir anfangen zu ziehen oder zu schieben, gelangen wir unweigerlich hinter die Bewegung des Pferdes und stören somit seinen Bewegungsfluss. Unsere Aufgabe ist es also, das Pferd in seiner Bewegung so wenig wie möglich zu stören. UNSER Körper muss lernen sich auf die Balance des Pferdekörpers einzulassen. Genau hier haben die meisten jedoch große Probleme. Nun sitzen wir dort oben und werden bewegt und sollen uns in eine Bewegung hineinbegeben ohne zu kontrollieren!!! Was für eine grausame Vorstellung!!! Kontrolle meint hier den klemmenden Sitz und zusätzlich festhaltende oder ziehende Zügel. Durch unseren unruhigen Körper bringen wir unser Pferd in disbalance. Die Folgen eines stetigen Zügelzugs mit stark rückwirkendem Ausmaß kann viele Schädigungen beim Pferd verursachen. Anfänglich wird sich erst einmal die Halsmuskulatur versteifen. Wird dauerhaft so geritten, kann es zu weiteren Schädigungen kommen, wie z.B. Blockierungen der Kopfgelenke durch zu enges Reiten, der Nackenschleimbeutel kann sich entzünden, es können Arthrosen in der Halswirbelsäule entstehen. Langfristig kann es zu Blockierungen der Rippengelenke kommen, dadurch kann es zu Einschränkungen der Atmung kommen und so weiter…letztlich kann sich das ganze Pferd nicht mehr entspannen, sondern baut immer mehr Spannung auf, denn Druck hat immer Gegendruck zur Folge.
Kommt dann noch ein klemmender Schenkel und ein einsaugender Oder extrem schiebender Reitersitzt dazu, ist das Pferd nicht mehr in der Lage, seinen Rücken frei zu schwingen. Das Pferd kann so frühzeitig im Rücken und an den Beinen erkranken. Ein Reiter der nicht in Lage ist, Kopf, Schulter, Rumpf, das Becken und Arme und Beine frei zu bewegen, wird zwangsläufig sein Pferd immer in seinem Bewegungsfluss stören. Je geschmeidiger wir uns in das Pferd einfügen, umso besser kann sich das Pferd unter uns entspannen. Es kann sich losgelassen unter uns bewegen, ohne seine Muskulatur anzuspannen zu müssen, um sich zu halten.
Also versucht immer schön locker zu bleiben!