Posted by on Feb 11, 2016 in Allgemein | Keine Kommentare

Immer wieder wird das Thema Rollkur aufgegriffen. Gerade geht aktuell auf FB das Bild von Isabell Werth durch diverse Gruppen. Sie steht letztlich als Synonym, für unendlich viele Reiter, die diese Art des „Reitens“ bejahen.
Sobald es um Geld geht, wird das Pferd nur noch als Sportgerät gesehen und nicht mehr als Tier, welches Bedürfnisse hat. Diese Pferde werden meist in Boxen gehalten, haben teilweise noch nie eine Weide gesehen, geschweige denn jemals mit einem Kumpel gespielt.
Ich kenne leider einige dieser ehemaligen Sportpferde, die völlig irritiert waren, als sie erstmals eine Weide sahen. Auch wussten diese nicht wie sie sich ihren Artgenossen gegenüber verhalten sollten. Meist sind diese Pferde körperlich komplett herunter gekommen. Man kann sich gar nicht vorstellen, dass diese Pferde je im großen Sport gegangen sind. Psychisch sind diese Pferde auch fast immer am Ende. Sie sind teilnahmslos, teilweise wirklich gebrochen.
Die neuen Besitzer, oft Freizeitreiter, kaufen dann diese Pferde für wenig Geld und wissen gar nicht, was ihnen bevorsteht. Viele Pferde sind so kaputt, dass die neuen Besitzer meist eine Odyssee durchlaufen, die mit sehr viel Geld und vielen Tränen verbunden ist.
Wenn ich diese Menschen mit ihren neuen Pferden kennen lerne sind sie häufig schon sehr verzweifelt. Sie haben bis dahin schon viel ausprobiert und wissen einfach nicht mehr weiter. Mein persönlich es Konzept ist eigentlich ganz simpel. Ich fange einfach noch mal bei null an. Egal wie alt das Pferd ist, ich tue einfach so, als hätte ich es mit einem jungen Pferd zu tun. Ohne schlechte Erlebnisse. Ich begegne ihnen im Hier und Jetzt! Im Vorfeld versuche ich gemeinsam mit den Besitzern herauszufinden, was dem Pferd vorab passiert ist. Dann kann ich das Trauma des jeweiligen Pferdes besser einschätzen. Alles bekommt man letztlich nicht raus, aber die Pferde erzählen einem schon so einiges. All das, mit dem sie negativ behaftet sind, lasse ich schon mal weg. Ich arbeite in der Regel erstmal frei mit ihnen und behandle sie zusätzlich in kleinen Etappen. Durch die Berührungen während der Behandlungen, spüren die Pferde immer mehr, wie gut es ihnen tut, in dieser Art berührt. Jeder der schon mal eine Massage oder auch eine gute osteopathische Behandlung bekommen hat, kann dies mit Sicherheit bestätigen! Sie spüren, dass ich auf sie eingehe, sie sein dürfen und so kommt allmählich das Vertrauen zurück. Sehr häufig leiden diese Pferde unter wahnsinnigen Verspannungen, wahrscheinlich schon über Jahre. Ich bitte die neuen Besitzer in der Regel vorerst Abstand vom Reiten zu nehmen. Im Vordergrund steht nun Vertrauen aufbauen. Anfänglich sind einige Pferdebesitzer enttäuscht, nicht reiten zu dürfen, doch mit der Zeit merken sie, wie wunderbar es ist, mit seinem Pferd gemeinsam einen neuen Weg zu gehen. Es entsteht nach recht kurzer Zeit eine unglaubliche Nähe. Diese Momente sind wunderbar und dafür liebe ich meinen Beruf!!! Wenn ich sehe, wie schnell diese Pferde wieder Vertrauen zu einem Menschen fassen. Ich bin dann jedes Mal aufs Neue überwältigt.
Viele Pferde und ihre Besitzer begleite ich häufig ein Jahr oder länger. Anfänglich recht intensiv. Wenn wir dann nach einer gewissen Zeit gemeinsam zurück schauen, dann sind wir ganz erstaunt, wie prächtig sich doch alle entwickelt haben. Denn wir Menschen wachsen ebenfalls unglaublich an diesen Prozessen. Jedes Pferd entwickelt sich auf seine Weise und ich weiß nie wohin die Reise am Ende geht und ob wir wirklich alle alten Muster auslöschen können.
In der Regel, fassen alle Pferde wieder Vertrauen zum Menschen und das finde ich immer wieder bewundernswert.
Es ist jedoch nicht nur die Roll-Kur im Dressursport, die unsere Pferde kaputt macht.
Ich betreue unter anderem einige ehemalige Rennpferde. Sie kommen häufig mit einem riesengroßen Paket bei ihren neuen Besitzern an und brauchen wirklich unglaublich viel Zeit und Zuneigung, damit sie tatsächlich wieder Vertrauen zum Menschen aufbauen können. Einige von ihnen sind nicht in der Lage ihre Füße voreinander zu setzen. Sie haben überhaupt kein Körpergefühl. da sie immer ausgebunden und zusammengeschnürt, in ihren ersten Lebensjahren laufen mussten. Diese Pferde werden noch schneller und früher verheizt. Wenn Sie keinen Erfolg mehr bringen, dann werden sie entweder für die Zucht wahrsten Sinne des Wortes benutzt oder gehen zum Schlachter.
Andere haben Glück an einen netten Menschen zu geraten, der sie freikauft.
Wir müssen uns also weiterhin trauen gegen den kommerziellen Reitsport anzugehen. Deshalb an dieser Stelle noch mal der Appell an euch, nehmt an der Umfrage der FN Teil!!! Wie gesagt ihr könnt dort auch Kritik äußern und alles niederschreiben was ihr geändert haben möchtet. Ich denke je mehr mitmachen umso größer ist die Chance dass sich langsam aber sicher etwas ändert.
Bis zu 22. Februar könnt ihr eure Meinung noch kundtun.