Posted by on Nov 29, 2016 in Allgemein | Keine Kommentare

Jeder kennt den Satz liebe bedeutet loslassen, beim Pferd sollten wir Menschen und Reiter diesen Satz wörtlich nehmen und täglich so gut wie möglich im Zusammensein mit unserem Pferd umsetzen.
Wenn ich neue Schüler bekomme, mache ich ihnen bei unserem ersten Treffen klar, dass wir Menschen das Problem sind und nicht unser Pferd.
Es ist unser Hobby, wir wollen die Pferde reiten und mit ihnen zusammen sein. Also ist es unsere Pflicht, so mit ihnen zusammen zu sein, das sie eine Chance haben unser Hobby unbeschadet sowohl psychisch als auch physisch zu verstehen.
Wir lieben unsere Pferde geben unser letztes Hemd für sie: Und dann! Funktionieren sie einfach nicht, wenn wir uns auf sie setzen…
Wir sind dann enttäuscht oder wütend, weil wir machen und tun und uns „bemühen“, alles richtig zu machen:
Genau darum geht es, wir Menschen „bemühen“ uns. Doch bemühen reicht nicht. Fast keiner macht sich die Mühe und geht auf die Weide und fragt sein Pferd, wie es ihm geht. Die meisten schauen nach Verletzungen oder anderen groben Auffälligkeiten.
Die wenigsten gehen zu ihrem Pferd fragen leise: „Wie geht es dir, wie war dein Tag, deine Nacht, wie bist du drauf, können wir gemeinsam arbeiten und wenn ja in welcher Form und in welchem Maße.“
Nochmal zu Erinnerung, es ist UNSER HOBBY nicht das Hobby unserer Pferde! Solange wir nur wollen, dass unser Pferd funktioniert, wird es niemals harmonisch. Ich muss mir also Gedanken machen, wie ich mit meinem Pferd arbeiten kann, das es mich versteht und keinen Schaden nimmt.
Also erkundigt euch nach ihrem Befinden, schaut in ihre Augen, auf die Ohren, die Nüstern, die Muskeln. Pferde können ganz genau sagen, wie es ihnen geht. Du musst nur hinschauen und nachfragen. Ihr müsst lernen zu sehen, wie ein bzw. euer Pferd aussieht, wenn es ihm wirklich gut geht. Zufriedene Pferde haben wache Augen, sind neugierig auch mal frech. Sie schauen einen frei und offen an. Hier sei nochmal erwähnt, unsere Pferdehaltung ist nicht Artgerecht! Mein Pferd steht in einem Offenstall, in einer zu kleinen Herde, mit zu wenig äußeren Reizen und Bewegungsmöglichkeiten. Wenn ihr mal ganz ehrlich seid, geht es den meisten so. Die wenigsten haben eine riesige Fläche zur Verfügung mit den unterschiedlichsten Beschaffenheiten. Dauerhaft Heu ist genauso unglücklich wie die 24 Stundenweide, weil viel zu reichhaltig. Portionieren ist ebenfalls schwierig. Also ihr seht schon, es ist schwierig eine wirklich artgerechte Pferdehaltung zu garantieren. Das hier nur als kleinen Denkanstoß, deshalb ist es so wichtig zu fragen, wie geht es dir heute!
Wenn ich zum Unterricht komme, frage ich immer erstmal das Pferd, wie es ihm geht, dann frage ich den Reiter, was er glaubt, wie seinem Pferd geht und natürlich auch, wie es dem Reiter selbst geht, denn auch dies ist wichtig für eine gute Zusammenarbeit. Ist einer von beiden schlecht drauf, schaue ich, wie wir gemeinsam eine gute Stunde erarbeiten können.
Fragt euch beim Arbeiten mit den Pferden, wieso gibt es den Huf nicht oder wieso kann ich es auf der linken Hand nicht angaloppieren, wieso rennt es weg etc.
In meinem Unterricht, müssen meine Schüler sich ständig mit ihren „Defiziten auseinandersetzen. Oft wird klar, sie haben keinen Plan, was sie eigentlich mit ihrem Pferd machen sollen und vor allem, wie sie es ihrem Pferd beibringen sollen. Sie sind vor allem nicht losgelassen, wo wir am Anfang des Artikel anknüpfen…liebe bedeutet loslassen, besonders beim Arbeiten mit dem Pferd.
Wir müssen lernen feiner zu sein. Dann wird auch das Pferd feiner. Die ganz sanften Hilfen aus der mentalen Stärke heraus haben eine viel größere Kraft, als die großen Signale, die wir viel zu oft geben. Das bedeutet jedoch nicht schlaff und Energielos auf dem Pferd zu hängen und nebenher zu latschen, sondern einfach nur leise und fokussiert zu sein. Das schafft Vertrauen, daraus kann eine Verbindung entstehen. Willst du also eine feine Verbindung zu deinem Pferd, musst du selbst fein und klar sein.

Ein ganz einfaches Beispiel zur Veranschaulichung, wie feines Kommunizieren funktioniert. Ihr müsst euch innerer Bilder bedienen. Ich habe so schon bei einem großen Reitmeister reiten dürfen. Er hat immer gesagt: „Stellen sie sich vor ihrem inneren Auge diese oder jene Übung in Perfektion vor, dann versuchen sie diese genauso zu reiten“. Es bedarf einiger Übung aber es funktioniert!
Also nun zu meinem Beispiel:
Du möchtest dein Pferd angaloppieren – für viele Reiter ein riesiges Thema.
Was fühlst du eigentlich, wenn du auf dem Rücken deines Pferdes sitzt? Nimm erstmal die Bewegung deines Pferdes wahr, bevor du aktiv wirst. Das bedeutet letztlich statt gleich mit den Schenkeln zu treiben, mit der Gerte zu touchieren und vielleicht noch unterstützend mit der Zungen schnalzen – stell dir vor, wie dein Pferd weich und in absoluter Perfektion angaloppiert, wie es in einem schönen Übergang vom Schritt in einen lockeren nach oben gesprungenen Galopp anspringt. Wichtig ist natürlich, das du auch dich siehst, wie du weich und losgelassen dein Pferd über eine kraftvolle Hinterhand in den Galopp springen lässt ohne den Bewegungsfluss zu stören. Stell es dir solange vor bis du es tatsächlich vor deinem inneren Auge siehst. Dein Körper wird diesem Bild deiner Vorstellung folgen. Dein Pferd spürt deine Idee und wird nach einiger Übung, dieser Vorstellung folgen. Es braucht natürlich Geduld deinerseits und du musst an dich und deine Vorstellungskraft glauben. Die Erfahrung zeigt mir jedoch immer wieder, wie gut es auf diese Weise funktioniert. Und vergiss nicht, dein Pferd muss sich ja auch erstmal auf die neue Art der Kommunikation einstellen.
Wenn es das erste Mal geklappt hat, wirst du merken wie leicht es ist, mit mentaler Vorstellungskraft zu arbeiten.
Vor allem sei nie Planlos, damit können die Pferde nicht umgehen. Sie brauchen eine kompetente und logische Führung. Wenn Dein Pferd etwas falsch macht, dann überlege was Du falsch gemacht haben könntest. Fehler passieren und sind erlaubt. Lerne die Fehler bei dir zu suchen. Die Pferde verzeihen uns in der Regel unsere Fehler. Wichtig ist, wir sehen unsere Fehler und verändern unser Verhalten.
Also lasse los beim Reiten mental und physisch! Ich versuche es auch jeden Tag aufs neue und freue mich, wenn es gelingt!

Liebe Grüße Tatjana

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