Posted by on Jul 5, 2015 in Allgemein | Keine Kommentare

2015-06-30 10.02.26Im März habe ich einen 9 jährigen Wallach Namens Brady in Beritt bekommen. Er war im Grunde roh und die Besitzerin bat mich, ihren Wallach zu einem zuverlässigen Freizeitpferd auszubilden. Ich merkte schnell wie unendlich sensibel dieses Pferd ist. Leider muss er, bevor er zu seiner jetzigen Besitzerin kam schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht haben, denn er war mir gegenüber anfänglich nicht nur skeptisch, er wurde schnell panisch, ja er wirkte phasenweise richtig ängstlich. Daher beschloss ich ganz von vorn zu beginnen.

Den März und April verbrachte ich ausschließlich mit Horsemanship. Mir war schon am Anfang aufgefallen, dass Brady nicht ganz Takt rein lief. Ich ging jedoch erst einmal davon aus, dass es hoffentlich nur ein rein muskuläres Problem sei, denn Brady hatte wenig Muskulatur und vor allem keine Ahnung, wie er seinen Körper ausbalancieren soll. Als ich anfing Brady auf der Kreislinie zu arbeiten, ließ Brady in der Hangbeinphase die Zehe der rechten Hintergliedmaße deutlich mehr schleifen, da er aber auch Hinten links ein leichtes schleifen der Zehe zeigte, war ich zwar schon alarmiert aber ich hoffte, es würde durch gezieltes Training besser werden. Tatsächlich wurde es auch erstmal ein wenig besser. Aber mich ließ der Gedanke nicht los, es könne doch etwas Pathologisches dahinter stecken. Ich hatte mit der Besitzerin natürlich über meine Vermutung gesprochen, zumal ich Brady auch schon osteopathisch untersucht und behandelt hatte und bei der Testung die rechte Hintergliedmaße schon etwas auffälliger fand. Sie erzählte mir in diesem Zusammenhang, Brady sei früher auch schon immer mal ungleichmäßig gelaufen. Also ließen wir den Tierarzt kommen. Ich wollte Gewissheit, bevor ich mit dem richtigen Training beginne.
Der Befund war leider recht niederschmetternd. Die Tiefe Beugesehnen der rechten Hintergliedmaße zeigt eindeutige Veränderungen und Unregelmäßigkeiten. Das war natürlich erst mal ein Schock für die Besitzerin und natürlich auch für mich. Aus war der Traum aus Brady ein nettes Reitpferd werden zu lassen. Stattdessen bekam er die Bescheinigung für die Frührente. Manchmal zerplatzen Träume von hier auf jetzt, dann muss man sich neu orientieren und alles aus einer anderen Perspektive betrachten. Die Diagnose ist nun einen Monat her und die Besitzerin hat für ihren Brady einen schönen Rentner-Platz in einem Offenstall gefunden. Heute hat er seine Reise in den neuen Stall angetreten.
In diesem Sinne wünsche ich Brady noch viele schöne Jahre als Frührentner.